Filmreihe homochrom: Al Berto (O.m.U.)

Drama - Portugal

1974 wurde in der Nelkenrevolution endlich die Diktatur des portugiesischen Estado Novo beendet. Ende des Jahres kehrt Alberto Raposo Pidwell Tavares (Ricardo Teixeira) aus Brüssel, wo er Malerei studiert und unter Hippies gelebt hat, zurück nach Portugal. Die Villa seiner großbürgerlichen Familie im Küstenort Sines südlich von Lissabon ist enteignet worden und steht leer. Der offen schwule, mittellose Al Berto besetzt sie einfach illegal. Schnell versammelt er andere junge Tagträumer, Künstler und Kunstinteressierte um sich und schafft einen Freiraum für ihre Entfaltung. Alle verfallen dem Charme Al Bertos, insbesondere der gelockte Sänger João Maria (José Pimentão), dessen Vater ein hohes Tier ist. Die Gruppe genießt das Leben und die Liebe, feiert wilde Partys, dichtet und gibt erste Lesungen. Die als Fischer arbeitenden Familien einiger Freunde verstehen ihre sexuell aufgeschlossene, freigeistige Gegenkultur nicht. Den traditionellen Bewohner und den Autoritäten in Sines sind sie sogar ein Dorn im Auge.

Autor und Regisseur Vicente Alves do Ó hat bereits mehrere Kurzfilme und Spielfilme gedreht, darunter einen über die Dichterin Florbela Espanca. Mit AL BERTO wendet er sich dem ganz frühen Schaffen des schwulen Dichters zu, der erst in den 1980ern berühmter wurde und später den Zivilverdienstorden als Offizier des heiligen Jakob vom Schwert erhielt. Das Interesse und intime Porträt des Filmemachers erklärt sich dadurch, dass sein älterer Halbbruder eine Liebesbeziehung zu Al Berto pflegte. Do Ó zeichnet ein lockeres Bild der damaligen Zeit und Lebensumstände. Der Fokus liegt auf der Liebesgeschichte von Al Berto und João Maria, so dass manch anderes eher angerissen wird. Dass Al Berto in Deutschland kaum bekannt ist, tut dem Film dennoch keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil ist dies eine äußerst sehenswerte Geschichtsstunde queer-alternativer Lebensweisen mit Schauwert. Sämtliche Darsteller spielen brillant, die Ausstattung der 1970er sieht toll aus, die Musik hebt die Stimmung und die ästhetische Kameraarbeit ist bemerkenswert. Kein Wunder, denn Kameramann Rui Poças hat bereits mehrere queere Filme gedreht: "Gute Manieren" (Kinostart: 26.07.2018) sowie die vier Werke "Der Ornithologe" (2016), "To Die Like a Man" (2009), "Two Drifters – Odete" (2005) und "O Fantasma" (2000) von João Pedro Rodrigues.

Eintritt:
8,00 € / Person
Termine:

 

Offizelle Seite: https://www.homochrom.de/al-berto

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